Verbesserung der Wohnsituation von Flüchtlingen der GU Calmbergstraße

Die ehemalige Hindenburgkaserne in der Calmbergstraße 2a wurde in den 1980-er Jahren als Gemeinschaftsunterkunft (GU) für männliche Asylbewerber in Betrieb genommen. Der bauliche Zustand des Hauses ist heute mehr als bedenklich und die hygienischen Verhältnisse sind unhaltbar. Verantwortliche der Politik sind sich darüber einig, dass eine Sanierung des Gebäudes viel zu teuer werden würde und es deshalb eine Schließung der GU notwendig ist. Dies wurde bereits im Jahr 2010 festgestellt und vom Augsburger Stadtrat einstimmig befürwortet. Der bayerische Landtag hat im gleichen Jahr jedoch einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, das Flüchtlingslager zu schließen und die Menschen in Wohnungen unterzubringen, abgelehnt, obwohl der miserable Zustand des Gebäudes nicht infrage gestellt worden war. Hauptargument für die negative Entscheidung war die fehlende Alternative. Von dem Konzept der Gemeinschaftsunterkunft wollte man nicht abrücken. Im Jahr 2012 richtete das Augsburger Forum Flucht und Asyl im Rahmen einer Petition erneut die Forderung an den Augsburger Stadtrat, sich für eine Schließung der GU Calmbergstraße einzusetzen. Die für die Unterbringung von Asylsuchenden zuständige Regierung von Schwaben konnte bislang jedoch keine Ersatzmöglichkeiten zur Verfügung stellen.

Heute, im Januar 2014 ist die GU nach wie vor im Betrieb und mit mehr als 140 Bewohner dicht belegt. Eine Schließung ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Wir meinen, dass eine Stagnation und ein Abwarten nicht hinzunehmen ist. Es müssen JETZT Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnsituation eingeleitet werden. Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Forum Flucht und Asyl zunächst einen Prozess eingeleitet, bei dem es vorrangig um die Frage geht, wie mit einfachen Mitteln rasche Verbesserungen für die GU erreicht werden können. Die Forderung nach der Schließung der GU besteht weiterhin.

Befragung von Bewohnern
In vielen Gesprächen haben wir uns mit Bewohnern der GU Calmbergstraße über ihre Situation unterhalten und konnten uns durch mehrfache Besuche selbst ein umfassendes Bild über den Ist-Zustand im gesamten Gebäude und den zugehörigen Hofbereich machen.

  • Die Belegungsdichte ist zu hoch. Es wohnen bis zu vier Personen in einem Raum. Eine Privatsphäre ist dadurch nicht möglich.
  • Die sanitären Anlagen sind extrem veraltet und sind schwer zu reinigen. Die Intimsphäre kann hier nicht gewahrt werden.
  • In den Küchen gibt es lediglich Kochgelegenheiten und eine Spüle. Es sind keine Schränke oder Ablagen vorhanden, sodass eine Essenszubereitung nur unter erschwerten Bedingungen statt finden kann.
  • Es gibt keine regelmäßig verfügbaren Gemeinschaftsräume oder -angebote.
  • Alle Bereiche des Hauses sind extrem abgenutzt. Der Verfall beschleunigt sich sichtbar. Bisherige Reparaturmaßnahmen haben den Verfall nicht gestoppt.

Die Befragung diente nicht nur dazu, die Mängel zu dokumentieren. Gleichzeitig waren die Bewohner aufgefordert, Ideen für eine Verbesserung ihrer Situation zu entwickeln. Die Flüchtlinge haben ein großes Bedürfnis nach Kontakt, nach Begegnung. Sie möchten Menschen treffen, mit denen sie Deutsch sprechen können. Sie möchten sich an praktischen Tätigkeiten beteiligen. Folgende Vorschläge sind genannt worden:

  • Installation eines Schwarzen Brettes mit vielfältigen Informationen. Der vorhandene Infobereich im Eingang des Gebäudes ist nicht ausreichend und selten aktuell.
  • Der vorhandene Gemeinschaftsraum soll renoviert und mit besserem Mobiliar ausgestattet werden. Derzeit findet dort lediglich vormittags Deutschunterricht statt. In der übrigen Zeit ist der Raum verschlossen. Künftig könnte er ein Ort für vielfältige kulturelle Aktivitäten sein, zu denen auch die Nachbarschaft eingeladen werden kann.
  • Einrichtung eines Internetcafés und Computerkurse.
  • Im Hof sollten Bänke und Tische installiert werden, damit im Sommer auch gemeinschaftliche Aktivitäten im Freien statt finden können. Bau von Hochbeeten und Anbau von Gemüse und Kräutern.
  • Reparatur-Café für Fahrräder. Perspektivisch könnte auch eine Werkstatt in einem Container auf dem Hof entstehen. Oder es werden Lagerräume des Hauses genutzt.

Gemeinsam mit der Regierung von Schwaben, der Heimleitung, dem Hausmeister und dem Sozialbetreuer des Caritasverbandes wollen wir versuchen, die Wohnqualität in der GU zu verbessern. Die Aktion findet im Rahmen der Lokalen Agenda 21 für ein nachhaltiges Augsburg statt.